Neues aus Mittelfranken

Liebe LeserInnen,
in den vergangenen Monaten war einiges los! Im Mai ist die EU Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Kraft getreten, was sowohl für uns als Verein aber auch für die Selbsthilfegruppen in Mittelfranken einige Veränderungen in der Datenverarbeitung mit sich bringt. Im Juni haben wir unser 35 jähriges Jubiläum mit dem Selbstival gefeiert, bei dem viele von Ihnen dabei waren! Und wir arbeiten bereits an den nächsten Projekten: Zum Beispiel gibt es demnächst eine Schulung für junge Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren und Selbsthilfegruppen als InGangSetzerInnen unterstützen möchten. Von all dem lesen Sie in diesem Newsletter. Darüber hinaus gibt es natürlich noch viel mehr, was Sie jederzeit auf unserer Homepage erfahren können.
Ihr Kiss Mittelfranken Team

Was bedeutet das neue Datenschutzrecht für die Selbsthilfe?


Seit dem 25. Mai 2018 gilt innerhalb der EU die neue Datenschutzgrund-verordnung (DSGVO). Sie hat Auswirkungen auf alle Bereiche der Gesellschaft, in denen personen-bezogenen Daten erhoben und verarbeitet werden. Auch die Selbsthilfe fällt unter die DSGVO und muss sich auf die neue Rechtslage einstellen. Kiss Mittelfranken und die Datenschutz-beauftragte von Kiss Mittelfranken haben bisher Vieles für die Umsetzung der Anforderungen aus der DSGVO unternommen.

Wer braucht einen Datenschutzbeauftragten?
Wie bereits vor der DSGVO müssen Vereine, Verbände, Selbsthilfe-organisationen und andere Unternehmern, bei denen mehr als 10 Mitarbeiter Zugriff auf personen-bezogene Daten haben, einen Datenschutzbeauftragten (DSB) bestellen. Für Organisationen, die mit besonderen Kategorien personen-bezogener Daten, wie z.B. Gesundheits-daten, zu tun haben, gibt es eine Verschärfung. Wenn die umfangreiche Verarbeitung dieser Daten zum Kerngeschäft der Organisation gehört, muss diese einen Datenschutzbeauftragten bestellen, auch wenn weniger als 10 Mitarbeiter Zugriff auf diese Daten haben. Bei Selbsthilfegruppen ist dies aber nicht der Fall. Als Datenschutzbeauftragte für Kiss Mittelfranken wurde Frau Margit Müller als ehrenamtliche Mitarbeiterin bestellt und an die zuständige Aufsichtsbehörde gemeldet.

Überarbeitung der Homepage
Die Datenschutzerklärung unserer Internetauftritte, wie z.B. www.kiss-mfr.de, wurde überarbeitet und an die Anforderungen der DSGVO angepasst. Neben der verantwortlichen Stelle und der DSB müssen auch der Zweck der Datenverarbeitung, die rechtlichen Grundlagen und die Speicherdauer der Daten genannt werden. Ob die Daten innerhalb Europas gespeichert werden und an wen werden welche Daten weitergegeben, muss ebenfalls in der Datenschutzerklärung erwähnt werden. Wenn Cookies und Analyseprogramme verwendet oder Dienste und Inhalte Dritter, wie z.B. Google Fonts, Youtube Videos oder Facebook Fanpages, eingebunden werden, ist dies ebenfalls anzugeben. Diese und weitere Angaben müssen in der Datenschutzerklärung detailliert aufgeführt werden. Hilfreich bei der Erstellung können sogenannte Datenschutzgeneratoren sein.

Erstellen eines Verarbeitungsverzeichnisses und Überprüfen der Rechtsgrundlage
Im sogenannten Verarbeitungsverzeichnis werden alle Vorgänge erfasst, in denen personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden. Angegeben werden müssen der Zweck der Datenverarbeitung, die Kategorie der betroffenen Personen und die Art der Daten, die Kategorie der Empfänger und die Löschfristen. Eine sehr gute Vorlage für Vereine findet sich beim Bayerischen Landesamt für Datenschutzaufsicht: Vorlage Verarbeitungsverzeichnis

Prüfen, ob eine Datenschutzfolgenabschätzung durchgeführt werden muss
Wenn ein hohes Risiko bei der Datenverarbeitung für die betroffenen Personen besteht, muss eine Datenschutzfolgenabschätzung (DSFA) durchgeführt werden. Beispiele hierfür sind die umfangreiche Videoüberwachung in öffentlichen Räumen oder die Verwendung biometrischer Daten zur eindeutigen Identifizierung von Personen in einem öffentlichen Raum. Verschiedene Aufsichtsbehörden haben inzwischen eine Blacklist für die Notwendigkeit einer DSFA vorgelegt.

Neue Informationspflichten
Wenn Kiss, ein Verein oder eine Selbsthilfegruppe personenbezogene Daten direkt bei der betroffenen Person erhebt, die Daten verarbeitet oder auch speichert, muss diese bereits zum Zeitpunkt der Erhebung darüber informiert werden. Was sind die Inhalte der Informationspflicht? Mitgeteilt werden muss
– Name und Kontaktdaten des Verantwortlichen (ggf. auch des Vertreters),
– Kontaktdaten des Datenschutzbeauftragten (falls vorhanden),
– Zweck und Rechtgrundlage der Verarbeitung,
– konkrete Empfänger bzw. Kategorien von Empfängern,
– geplante Übermittlung in Drittländer oder an internationale Organisation und dortige Maßnahmen zum Schutz der Daten,
– Dauer der Speicherung,
– betroffene Personen sind über Ihre Rechte auf Auskunft, Berichtigung, Löschung, Einschränkung der Verbreitung und Widerspruch gegen die Verarbeitung sowie Datenübertragbarkeit aufzuklären,
– Bestehen eines Beschwerderechts bei einer Aufsichtsbehörde
Ob die Informationen an das Mitgliederformular oder ein Anmeldeformular angehängt werden oder ob Sie im Internet auf einer extra Seite zur Verfügung gestellt werden, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab.

Recht des Betroffenen auf Auskunft und Löschung
Jeder Betroffene hat Anspruch auf Auskunft der über ihn gespeicherten Daten. Die Auskunftsanfrage kann schriftlich oder per Mail gestellt werden. Bevor eine Auskunft erteilt wird, ist bei Email-Anfragen unbedingt die Identität des Betroffenen zu überprüfen. Handelt es sich wirklich um die Person, für die er/sie sich ausgibt. Hierzu reicht es meist aus, die Postanschrift oder andere persönliche Daten anzufordern und mit den gespeicherten Daten abzugleichen. Eine Auskunftsanfrage muss innerhalb eines Monats beantwortet werden. Auch wenn keine Daten über den Betroffenen gespeichert sind, muss ihm dies mitgeteilt werden.

Hinweis: Die genannten Informationen stellen keine Rechtsberatung dar. Kiss haftet nicht für die Inhalte. Trotz sorgfältiger Prüfung kann nicht ausgeschlossen werden, dass Angaben fehlerhaft oder veraltet sind.

GEMEINSAM lachen.tanzen.selbermachen


Am Samstag, den 30. Juni hat Mittelfranken die Selbsthilfe gefeiert! Und wie! Als wir zum ersten Mal zum Selbsthilfe Festival „Selbstival“ einladen, kommen um die 2000 BesucherInnen auf den Jakobsplatz nach Nürnberg.
Die Mission: Zeigen, wie vielfältig gemeinschaftliche Selbsthilfe ist und junge Menschen für das Thema begeistern.
Den ganzen Nachmittag sind Selbsthilfegruppen aus unterschiedlichsten Bereichen dabei und präsentieren sich mit kreativen und herausfordernden Aktionen. Sie stehen für Fragen und Gespräche auch noch bereit, als die wundervollen Musikerinnen von Blind&Lame auf der Bühne sind. Beim Auftritt der quirligen Jungs von El Flecha Negra hält es dann kaum noch jemanden auf den gemütlichen Palettenmöbeln, die teilweise von Studierenden und jungen Teilnehmenden aus Selbsthilfegruppen im Vorfeld selber gebaut worden sind. Anschließend füllt Lilly Among Clouds‘ Stimme den Jakobsplatz und lässt auch die Hungrigen aufhorchen, die sich gerade bei den Foodtrucks mit Leckereien versorgen möchten. Am Abend gibt es dann kein Halten mehr: Leila Akinyi betritt die Bühne, eine tanzende Menge ruft „Liebe“ und Akinyi ergänzt „verbreiten“. Es wird weiter gefeiert, bis #zweiraumsilke als letzter Act des Selbstivals schließlich von der Bühne gehen.
Das Selbstival startet mittags bei perfektem Sommerwetter und ausgelassener Atmosphäre. Der ganze Platz ist voller Aktionen: Von der Hüpfburg, dem Upcycling und Erzählkiosk auf der einen Seite vorbei an Puzzlemalen, Gebärdensprachkurs und Cocktailbar bis zur Kegelschiene beim weißen Turm. Unterdessen springt el mago masin, gleich nachdem er sie betreten hat, von der Bühne und bindet das Publikum in seine skurrilen Geschichten ein. Wenig später kürt das Publikum den Sieger des Poetry Slam Wettbewerbs zum Thema Selbsthilfe unter der Moderation von Michael Jakob. Statt langweiliger Grußwortreden folgt eine kurze Talkrunde, moderiert von Anna Noe, mit Schirmherrn Richard Bartsch (Bezirkstagspräsident), Dr. Peter Pluschke (Umweltreferat Nürnberg), Theresa Keidel (Selbsthilfekoordination Bayern), Gabriele Lagler und Marion Krieg von Kiss Mittelfranken sowie zwei Selbsthilfeaktiven.
Schon zu Beginn des Festivals bei den Beiträgen der Wortakrobaten ist klar, dass es auf der Bühne weitere, vielleicht heimliche Stars gibt: Die Gebärdensprachdolmetscherin Laura M. Schwengber, die vor kurzem den ESC übersetzt hat, und ihr Team. Nicht nur el mago masin zeigt sich sichtlich beeindruckt von ihren Leistungen, auch alle anderen KünstlerInnen betonen immer wieder, wie begeistert sie von der Performance der Übersetzerinnen sind. Uns ist es nämlich besonders wichtig, dass alle am Festival teilhaben können: Und es funktioniert – unter der tanzenden Menge sind viele Gehörlose und Rollstuhlfahrende loben den ausgelegten Boden, der das Kopfsteinpflaster auf dem Jakobsplatz besser befahrbar macht.
Eindrücke von unserem rundum gelungenen Festival
Viel tolles Feedback steigert die Vorfreude auf das, was die (Junge) Selbsthilfe in Mittelfranken noch alles bewegen wird!

Jung? Aktiv? – InGangSetzerIn werden!

Bist du zwischen 18 und 35, lebst in Mittelfranken und möchtest dich für andere engagieren? – Dann suchen wir genau dich!

Seit Jahren beschäftigen wir uns schwerpunktmäßig mit dem Thema „Junge Selbsthilfe“, was durch erfolgreiche Maßnahmen, wie die Erweiterung des Kiss-Teams durch engagierte junge KollegInnen, dem Drehen eines Kinospots, dem ersten bayrischen Selbsthilfe-Festival „Selbstival“ und viele weitere Projekte, schon Früchte trägt. Nachdem bereits 2014 InGangsetzerInnen und 2017 migrantische InGangsetzerInnen geschult wurden, gehen wir von Kiss Mittelfranken nun den nächsten Schritt – wir suchen engagierte, vielseitig interessierte, junge InGangSetzerInnen!
InGangSetzerInnen geben Selbsthilfegruppen im Gründungsprozess Starthilfe. Sie unterstützen die Gruppen in der Anfangszeit gezielt im Hinblick auf Gruppenabläufe, Kommunikation und Organisation, um den Teilnehmenden Orientierung und Sicherheit zu geben. Sie beeinflussen jedoch nicht die inhaltliche Arbeit der Gruppen. Da jede Altersgruppe mit verschiedenen Lebensthemen konfrontiert ist, kann es sehr stützend und sinnvoll sein, während der Gruppenbildung durch Gleichaltrige begleitet zu werden. Des Weiteren können junge InGangSetzerInnen nach der Schulung als MultiplikatorInnen jungen Menschen (Betroffene) neue Zugänge zur Selbsthilfe ermöglichen. Die Schulungstermine sind 25. & 26. Januar, 08. & 09. Februar und 22. & 23. Februar 2019.

Bist du neugierig geworden? – Dann freuen wir uns von dir zu hören!

Termine in Mittelfranken

Grafik: Terminkalender

Infoveranstaltung zur Selbsthilfeförderung am Runden Tisch für die Selbsthilfegruppen aus Erlangen und Umgebung am 18.10.2018 in Erlangen. Anmeldung unter 0911 234 9449.
GAGA-Ausstellung in den Räumen von Kiss Nürnberg•Fürth•Erlangen ab 30.10.2018, Eröffnung um 19 Uhr.
Ausstellung und Rahmenprogramm zum Thema „Suizid“ mit Lesung, Vorträgen, Austauschtreffen und Krematoriumsbesuch in Weißenburg, Anfang November Plakat AGUS
J-IGS-Schulungstermine: 25. & 26. Januar, 08. & 09. Februar und 22. & 23. Februar 2019 in Nürnberg

Mittelfranken feiert die Selbsthilfe

Selbsthilfe ist es wert, ordentlich gefeiert zu werden! Und deshalb organisieren MitarbeiterInnen von Kiss Mittelfranken gemeinsam mit Selbsthilfeaktiven aus ganz unterschiedlichen Gruppen das bayernweit erste Selbsthilfe-Festival!

Das Selbstival wird am 30. Juni 2018 auf dem Jakobsplatz in der Nürnberger Innenstadt gefeiert! Viele Selbsthilfegruppen sind dabei und präsentieren sich, einige haben sich kreative Aktionen überlegt, um auf ihr Thema aufmerksam zu machen. Auf der großen Bühne sprechen moderne Poeten zum Thema Selbsthilfe (Poetry Slam), erheitert ein Kabarettist mit lustigen Geschichten und Liedern das Publikum und spielen tolle Bands aus Mittelfranken, Deutschland und der Welt richtig gute Musik. Die MusikerInnen werden von der Gebärdensprachdolmetscherin Laura M. Schwengber, die mindestens genauso erlebenswürdig ist, begleitet. Alle, die noch nie etwas von Selbsthilfe gehört haben, sind ebenso eingeladen wie diejenigen, die den Wert von Selbsthilfegruppen kennen. Gemeinsam möchten wir lachen, tanzen, selbermachen. Neue Leute kennenlernen, neue Infos bekommen, neue Musik erleben, neue Aktionen ausprobieren und leckere Snacks und Getränke genießen.
Kurz: Eine richtig gute Zeit miteinander haben!

Alle Details gibt es auf www.selbstival-mfr.de. Herzliche Einladung!

Meine Reise fängt (vielleicht) in Weißenburg an

Ich bin ein lebenslustiger Mensch, aktiv und habe gerne Kontakt. Leider bin ich etwas eingeschränkt – ich fahre Rollstuhl! Seit fünfzehn Jahren ist mein fahrbarer Untersatz mein ständiger Begleiter, aber ich habe mich arrangiert und fühle mich trotzdem frei. Nur an manchen Tagen, wenn ich mal wieder Lust habe, in den Zug zu steigen und die große, weite Welt zu erkunden, brauche ich zuallererst Organisationstalent. Zum Bahnhof komme ich ohne Probleme, doch dann wird es tricky. Richtung Nürnberg zu fahren heißt zumindest: ich komme bis zum Gleis und kann theoretisch einsteigen. Richtung Augsburg habe ich ein Problem und dieses Problem heißt: Treppen. Kein Aufzug – und beamen kann ich mich leider noch nicht. Ich komme also alleine nicht zum Gleis, brauche Unterstützung oder steige gleich in Treuchtlingen zu; aber dann muss ich erst einmal dorthin. Der Weißenburger Bahnhof ist wie so viele andere leider nicht barrierefrei!

Ich tröste mich immer ein bisschen damit, dass die Mütter mit ihren Kinderwägen oder die Reisenden mit schweren Koffern in einer ähnlichen Lage sind. Aber als Rollstuhlfahrer ist es doch noch einmal eine Spur unangenehmer. Da packt dich keiner so schnell und trägt dich die Treppen runter wie das beim Kinderwagen der Fall ist. Von daher finde ich die Petition für einen barrierefreien Weißenburger Bahnhof mehr als überfällig und freue mich, wenn diese von vielen unterstützt wird.

Hier können Sie sich bis zum 22. Juni 2018 eintragen: www.openpetition.de/petition/online/fuer-einen-barrierefreien-ausbau-des-bahnhofs-weissenburg-in-Bayern

Mein Rollstuhldasein kam übrigens ganz plötzlich – Autounfall und Querschnittslähmung, der Klassiker schon fast. Nie damit gerechnet, einfach da und irgendwie geht es ja dann doch weiter, wenn auch manchmal beschwerlich. Und so plane ich meine Reise ab Weißenburg immer wieder neu, wenn ich mit dem Zug unterwegs sein will – Improvisationstalent ist in diesem Fall alles. Sollte es im Zuge der Inklusion, die in aller Munde ist, zwar nicht, ist leider aber immer noch so!

35 Jahre Kiss Mittelfranken: vom Protest und Aufbruch zur 4. Säule im Gesundheitswesen

Trau keinem über 30?
Jetzt ist es also soweit: Wir haben die stürmischen Jahre des Aufbruchs hinter uns gelassen, sind in der mittelfränkischen (Selbsthilfe-)Landschaft etabliert und kein Mensch traut uns noch.
ABER: Zum Glück sind wir nicht mehr in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts, als alles begann, sondern schon längst im neuen Jahrtausend. Mit einem wehmütigen Lächeln schauen wir auf den Satz und wissen ganz genau: auf uns trifft das nicht zu!

Erfolgsgeschichte Kiss
Denn: ein wesentlicher Aspekt unserer Arbeit beinhaltet von Anfang an „alle Welt“ davon zu überzeugen, dass die gemeinschaftliche Selbsthilfe für jeden Menschen ein unterstützender Weg sein kann. Und auf diesem Weg waren und sind wir – die Selbsthilfeaktiven und der Verein – ziemlich erfolgreich:
1983: mittelfrankenweit ca. 70 Selbsthilfegruppen und keine haupt- sondern „nur“ ehrenamtlich Mitarbeitende.
2018: 902 Selbsthilfegruppen! 18 Hauptamtliche und mindestens 20 Ehrenamtliche!

Kiss erobert Mittelfranken
Die positiven Erfahrungen mit dem „Gemeinschaftsprojekt Selbsthilfe“, die finanzielle Unterstützung durch den Bezirk Mittelfranken und die Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassenverbände in Bayern haben es ermöglicht, dass Kiss Mittelfranken inzwischen in sieben Städten vor Ort Beratung anbietet: in Ansbach, Erlangen, Fürth, Hersbruck, Nürnberg, Roth und Weißenburg.

Die Hauptamtlichen im Verein und vermutlich weit über 10.000 Selbsthilfeaktive haben die Selbsthilfelandschaft zu einer weiten, bunten und vielfältigen Wiese gemacht, die voller Leben ist. Auf „dieser Wiese“ sind über 400 Selbsthilfethemen zu finden (von Rheuma über Depression bis zu Getrennt Leben und Freakrunning) und sprießen immer wieder neue Projektideen aus der fruchtbaren Erde. Es entstehen Selbsthilfemessen in Einkaufszentren, In-Gang-SetzerInnen, die gemeinsam über 10 Sprachen beherrschen, werden für die Unterstützung der migrantischen Selbsthilfe geschult, Gruppen zu Seltenen Erkrankungen finden sich für ihre bundesweite Interessensvertretung zusammen, ein kiss.magazin entsteht, die Selbsthilfe in Mittelfranken wird mit einer Piaggio-Ape mobil und in den letzten Jahren haben sich alle zusammengetan, um den Gedanken der gemeinschaftlichen Selbsthilfe für „die Jüngeren auf der Wiese“ attraktiv zu machen.

Selbsthilfe – eine gesellschaftliche Notwendigkeit
Gemeinschaftliche Selbsthilfe ist bunt, lebendig und flexibel. Sie stellt sich den gesellschaftlichen Veränderungen und ist bereit, immer wieder neue Wege in dieser sich verändernden Landschaft zu gehen.
Wie immer wird es auf diesen Wegen Stolper- und Lehrsteine geben, aber so war es doch schon immer in der gemeinschaftlichen Selbsthilfe. Viele Hürden wurden schon genommen. Die erste Hürde nehmen alle Selbsthilfeaktive, indem sie sich einer Selbsthilfegruppe anschließen. Die Hürde der hohen Mauern vieler ÄrztInnen und TherapeutInnen bezüglich der Selbsthilfegruppen zu überwinden, hat viel Energie gekostet. Nun, nach 35 Jahren unermüdlicher Aufklärungsarbeit, denken sie die Selbsthilfe ganz selbstverständlich mit. Es bedarf immer noch vieler geduldiger Diskussionen, um andere Professionelle davon zu überzeugen, dass Selbsthilfe funktioniert, auch für Menschen mit Migrationshintergrund.

Die gemeinschaftliche Selbsthilfe, ein kleiner Baustein unserer demokratischen Zivilgesellschaft, ist erprobt darin, felsige, steile Wege oder Umwege zu gehen. Möge uns dabei die Freude am gemeinsamen Tun für die vierte Säule im Gesundheitswesen erhalten bleiben.

Selbsthilfe zeigt Gesicht

Immer wieder dürfen wir interessierten Menschen erklären, was Selbsthilfe ist. Oft werden wir dann gefragt, zu welchen Themen es Selbsthilfegruppen gibt oder was das für Menschen sind, die sich in Selbsthilfegruppen engagieren.

Vor einigen Jahren haben wir gemeinsam mit der Evangelischen Hochschule eine Ausstellung entwickelt, die genau diese Fragen beantwortet. Auf großen Rollups werden Menschen portraitiert, die in einem kurzen Zitat über Ihr Thema und ihre Selbsthilfegruppe sprechen. Unzensiert und ehrlich. Sie lernen in der Ausstellung Menschen kennen, die den Mut hatten, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und sich mit der Situation, in der sie waren oder sind, nicht abzufinden. Gleichzeitig erfahren Sie, welche breite Vielfalt es in den Selbsthilfethemen gibt: Das Spektrum reicht von chronischen Erkrankungen über Suchterkrankungen hin zu seelischen oder sozialen Themen, von selbst betroffen zu angehörig. Neben den Portraits der Selbsthilfeaktiven informiert die Ausstellung über Grundlagen der Selbsthilfe im Allgemeinen und gibt einen Überblick über die Arbeit in einer Selbsthilfegruppe, ihre Potenziale und Möglichkeiten sowie die Tätigkeiten einer Kontaktstelle.

Aktuell besteht die Ausstellung aus 28 Rollups, die kostenfrei ausgeliehen werden können, sodass die Ausstellung in Mittelfranken und manchmal auch darüber hinaus unterwegs ist. Sie tourt durch Kliniken, verschiedene Einrichtungen und konnte auch schon im Nürnberger Rathaus besichtigt werden. Dieses Jahr soll die Ausstellung um einige Beispiele aus jungen Selbsthilfegruppen erweitert werden, sodass Sie ein noch breiteres Publikum anspricht.

Wir freuen uns, wenn Sie Interesse daran haben, die Ausstellung zu zeigen oder Einrichtungen kennen, die sich für die Wanderausstellung interessieren.
Alle Details gibt es auf www.wanderausstellung-kiss-mfr.de oder bei uns!

Gruppeninventur

„Passt das noch, wie wir unsere Gruppentreffen gestalten? Sind alle damit zufrieden?“ „Sollten wir nicht mehr Öffentlichkeitsarbeit machen, um mehr Neue zu finden?“ „Über welche Themen können wir denn noch reden?“ Das sind alles Fragen, die Selbsthilfegruppen sicherlich vertraut sind. Und immer wieder kommt das Gespräch darauf, aber es finden sich keine neuen Ideen. Was tun? – Zur Gruppeninventur gehen! Um was geht es denn da?

Seit ziemlich genau einem Jahr bietet Seko Bayern für alle bayerischen Selbsthilfegruppen aus dem Gesundheitsbereich die Gruppeninventur an – jetzt, im Jahr 2018, sogar für alle Selbsthilfegruppen. Die Teilnehmenden einer Gruppe können gemeinsam in eine andere Stadt fahren und dort in der Kontaktstelle mit einer Mitarbeiterin 4 Stunden lang das Gruppengeschehen beleuchten.

Es ist ausreichend Zeit, um
• auf die letzten Monate zurück zu blicken,
• Grundsätzliches zum Geschehen in der Gruppe aus verschiedenen  Perspektiven zu betrachten,
• an neuen Ideen für das Gruppenleben zu spinnen
• und zu überlegen, wie die sich am besten umsetzen lassen!

Aber vielleicht geht es auch um einen ganz bestimmten Konflikt in der Gruppe, der das Vertrauen untereinander gestört hat. Oder um die Frage, wie die Gruppe die Verantwortung untereinander besser aufteilen kann. Alles, was die Gruppe zur Gruppeninventur mitbringt, soll Raum bekommen.

Die Kosten für die Gruppeninventur werden von Seko übernommen, die Gruppen aus dem Gesundheitsbereich können über den regionalen Runden Tisch die Fahrtkosten bei den Krankenkassen abrechnen.

Darüber hinaus kann die Gruppe die Zeit vor oder nach der Gruppeninventur für einen Bummel durch die Stadt, zum Shoppen oder zum Essengehen nutzen.

Elisabeth Benzing aus der Kiss Nürnberg begleitete bereits zwei Gruppen – eine aus dem Allgäu, die andere aus Oberfranken – bei der Gruppeninventur und hatte viel Freude dabei: „Allein schon die gemeinsame Anreise mit dem Zug war für beide Gruppen ein sehr verbindendes Ereignis. Sie kamen gut gelaunt in Nürnberg an und nutzten die 4 Stunden sehr intensiv, um all die Fragen zu klären, die sie mitgebracht hatten. Zufrieden und mit einem ziemlich schweren Rucksack voller neuer Ideen zogen sie zu den vorbestellten Tischen in einer Nürnberger „Wärtschaft“ weiter“.