Mittelfranken feiert die Selbsthilfe

Selbsthilfe ist es wert, ordentlich gefeiert zu werden! Und deshalb organisieren MitarbeiterInnen von Kiss Mittelfranken gemeinsam mit Selbsthilfeaktiven aus ganz unterschiedlichen Gruppen das bayernweit erste Selbsthilfe-Festival!

Das Selbstival wird am 30. Juni 2018 auf dem Jakobsplatz in der Nürnberger Innenstadt gefeiert! Viele Selbsthilfegruppen sind dabei und präsentieren sich, einige haben sich kreative Aktionen überlegt, um auf ihr Thema aufmerksam zu machen. Auf der großen Bühne sprechen moderne Poeten zum Thema Selbsthilfe (Poetry Slam), erheitert ein Kabarettist mit lustigen Geschichten und Liedern das Publikum und spielen tolle Bands aus Mittelfranken, Deutschland und der Welt richtig gute Musik. Die MusikerInnen werden von der Gebärdensprachdolmetscherin Laura M. Schwengber, die mindestens genauso erlebenswürdig ist, begleitet. Alle, die noch nie etwas von Selbsthilfe gehört haben, sind ebenso eingeladen wie diejenigen, die den Wert von Selbsthilfegruppen kennen. Gemeinsam möchten wir lachen, tanzen, selbermachen. Neue Leute kennenlernen, neue Infos bekommen, neue Musik erleben, neue Aktionen ausprobieren und leckere Snacks und Getränke genießen.
Kurz: Eine richtig gute Zeit miteinander haben!

Alle Details gibt es auf www.selbstival-mfr.de. Herzliche Einladung!

Meine Reise fängt (vielleicht) in Weißenburg an

Ich bin ein lebenslustiger Mensch, aktiv und habe gerne Kontakt. Leider bin ich etwas eingeschränkt – ich fahre Rollstuhl! Seit fünfzehn Jahren ist mein fahrbarer Untersatz mein ständiger Begleiter, aber ich habe mich arrangiert und fühle mich trotzdem frei. Nur an manchen Tagen, wenn ich mal wieder Lust habe, in den Zug zu steigen und die große, weite Welt zu erkunden, brauche ich zuallererst Organisationstalent. Zum Bahnhof komme ich ohne Probleme, doch dann wird es tricky. Richtung Nürnberg zu fahren heißt zumindest: ich komme bis zum Gleis und kann theoretisch einsteigen. Richtung Augsburg habe ich ein Problem und dieses Problem heißt: Treppen. Kein Aufzug – und beamen kann ich mich leider noch nicht. Ich komme also alleine nicht zum Gleis, brauche Unterstützung oder steige gleich in Treuchtlingen zu; aber dann muss ich erst einmal dorthin. Der Weißenburger Bahnhof ist wie so viele andere leider nicht barrierefrei!

Ich tröste mich immer ein bisschen damit, dass die Mütter mit ihren Kinderwägen oder die Reisenden mit schweren Koffern in einer ähnlichen Lage sind. Aber als Rollstuhlfahrer ist es doch noch einmal eine Spur unangenehmer. Da packt dich keiner so schnell und trägt dich die Treppen runter wie das beim Kinderwagen der Fall ist. Von daher finde ich die Petition für einen barrierefreien Weißenburger Bahnhof mehr als überfällig und freue mich, wenn diese von vielen unterstützt wird.

Hier können Sie sich bis zum 22. Juni 2018 eintragen: www.openpetition.de/petition/online/fuer-einen-barrierefreien-ausbau-des-bahnhofs-weissenburg-in-Bayern

Mein Rollstuhldasein kam übrigens ganz plötzlich – Autounfall und Querschnittslähmung, der Klassiker schon fast. Nie damit gerechnet, einfach da und irgendwie geht es ja dann doch weiter, wenn auch manchmal beschwerlich. Und so plane ich meine Reise ab Weißenburg immer wieder neu, wenn ich mit dem Zug unterwegs sein will – Improvisationstalent ist in diesem Fall alles. Sollte es im Zuge der Inklusion, die in aller Munde ist, zwar nicht, ist leider aber immer noch so!

35 Jahre Kiss Mittelfranken: vom Protest und Aufbruch zur 4. Säule im Gesundheitswesen

Trau keinem über 30?
Jetzt ist es also soweit: Wir haben die stürmischen Jahre des Aufbruchs hinter uns gelassen, sind in der mittelfränkischen (Selbsthilfe-)Landschaft etabliert und kein Mensch traut uns noch.
ABER: Zum Glück sind wir nicht mehr in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts, als alles begann, sondern schon längst im neuen Jahrtausend. Mit einem wehmütigen Lächeln schauen wir auf den Satz und wissen ganz genau: auf uns trifft das nicht zu!

Erfolgsgeschichte Kiss
Denn: ein wesentlicher Aspekt unserer Arbeit beinhaltet von Anfang an „alle Welt“ davon zu überzeugen, dass die gemeinschaftliche Selbsthilfe für jeden Menschen ein unterstützender Weg sein kann. Und auf diesem Weg waren und sind wir – die Selbsthilfeaktiven und der Verein – ziemlich erfolgreich:
1983: mittelfrankenweit ca. 70 Selbsthilfegruppen und keine haupt- sondern „nur“ ehrenamtlich Mitarbeitende.
2018: 902 Selbsthilfegruppen! 18 Hauptamtliche und mindestens 20 Ehrenamtliche!

Kiss erobert Mittelfranken
Die positiven Erfahrungen mit dem „Gemeinschaftsprojekt Selbsthilfe“, die finanzielle Unterstützung durch den Bezirk Mittelfranken und die Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassenverbände in Bayern haben es ermöglicht, dass Kiss Mittelfranken inzwischen in sieben Städten vor Ort Beratung anbietet: in Ansbach, Erlangen, Fürth, Hersbruck, Nürnberg, Roth und Weißenburg.

Die Hauptamtlichen im Verein und vermutlich weit über 10.000 Selbsthilfeaktive haben die Selbsthilfelandschaft zu einer weiten, bunten und vielfältigen Wiese gemacht, die voller Leben ist. Auf „dieser Wiese“ sind über 400 Selbsthilfethemen zu finden (von Rheuma über Depression bis zu Getrennt Leben und Freakrunning) und sprießen immer wieder neue Projektideen aus der fruchtbaren Erde. Es entstehen Selbsthilfemessen in Einkaufszentren, In-Gang-SetzerInnen, die gemeinsam über 10 Sprachen beherrschen, werden für die Unterstützung der migrantischen Selbsthilfe geschult, Gruppen zu Seltenen Erkrankungen finden sich für ihre bundesweite Interessensvertretung zusammen, ein kiss.magazin entsteht, die Selbsthilfe in Mittelfranken wird mit einer Piaggio-Ape mobil und in den letzten Jahren haben sich alle zusammengetan, um den Gedanken der gemeinschaftlichen Selbsthilfe für „die Jüngeren auf der Wiese“ attraktiv zu machen.

Selbsthilfe – eine gesellschaftliche Notwendigkeit
Gemeinschaftliche Selbsthilfe ist bunt, lebendig und flexibel. Sie stellt sich den gesellschaftlichen Veränderungen und ist bereit, immer wieder neue Wege in dieser sich verändernden Landschaft zu gehen.
Wie immer wird es auf diesen Wegen Stolper- und Lehrsteine geben, aber so war es doch schon immer in der gemeinschaftlichen Selbsthilfe. Viele Hürden wurden schon genommen. Die erste Hürde nehmen alle Selbsthilfeaktive, indem sie sich einer Selbsthilfegruppe anschließen. Die Hürde der hohen Mauern vieler ÄrztInnen und TherapeutInnen bezüglich der Selbsthilfegruppen zu überwinden, hat viel Energie gekostet. Nun, nach 35 Jahren unermüdlicher Aufklärungsarbeit, denken sie die Selbsthilfe ganz selbstverständlich mit. Es bedarf immer noch vieler geduldiger Diskussionen, um andere Professionelle davon zu überzeugen, dass Selbsthilfe funktioniert, auch für Menschen mit Migrationshintergrund.

Die gemeinschaftliche Selbsthilfe, ein kleiner Baustein unserer demokratischen Zivilgesellschaft, ist erprobt darin, felsige, steile Wege oder Umwege zu gehen. Möge uns dabei die Freude am gemeinsamen Tun für die vierte Säule im Gesundheitswesen erhalten bleiben.

Mitgliederversammlung

An alle Mitglieder des Vereins Selbsthilfekontaktstellen Kiss Mittelfranken e. V.: Herzliche Einladung zur Mitgliederversammlung am 07. Juni um 19 Uhr nach Nürnberg! Wenn Sie kommen möchten, melden Sie sich bitte kurz bei uns unter 0911 234 9449 an. Danke!

Kiss Mittelfranken, den 17.05.2018

Männer in der Selbsthilfe

Liebe Selbsthilfeaktive,
hiermit ich möchte mich gezielt an alle Männer aus den Selbsthilfegruppen wenden!

Was? Austauschtreffen für Männer – Männer in der Selbsthilfe
Wann? Am Freitag, den 20 Juli um 17:00 Uhr
Wo? Kiss Nürnberg-Fürth-Erlangen, Am Plärrer 15, 90443 Nürnberg

Viele von Ihnen kennen mich sicher bereits durch diverse Veranstaltungen. Seit 01. April habe ich neben der Jungen Selbsthilfe einen neuen Arbeitsschwerpunkt bei Kiss. Ich bin ab sofort Ansprechpartner für Männer in der Selbsthilfe. Manche nennen dies Männerbeauftragter.

Ich möchte Ihnen kurz erklären wie es zu diesem neuen Arbeitsschwerpunkt bei Kiss kam:
Untersuchungen, wie beispielsweise der Telefonische Gesundheitssurvey (also eine telefonische Umfrage) des Robert Koch-Instituts belegen, dass der Anteil der Männer in der gesundheitsbezogenen Selbsthilfe viel geringer ist als der von Frauen (Ellert et al. 2006, 49). Und dies, obwohl Männer ein größeres Krankheitsrisiko tragen, wie die Männer-Gesundheitsberichterstattung aufzeigt.
Für männerspezifische Themen bedarf es ebenso geeignete Zugänge und Beratungsangebote: dies wird unter anderem in den drei Männergesundheitsberichten deutlich (vgl. Weißbach 2010). Das eigene Geschlecht beeinflusst die Beratungssituation und bei bestimmten Themen aus dem Bereich der Männergesundheit ist der Zugang über einen männlichen Berater einfacher oder für manche Klienten sogar Voraussetzung.

Uns ist es deshalb ein großes Anliegen, gezielt Männer anzusprechen, ihnen den Zugang zur Selbsthilfe zu erleichtern und auf bereits bestehende Aktivitäten von Männern in der Selbsthilfe aufmerksam zu machen. männliche Selbsthilfeaktive haben in der Zukunft einen Ansprechpartner und ich werde einen Rahmen schaffen, in dem ein Austausch über spezifische Themen möglich ist.

Was genau die Aufgaben eines Männerbeauftragten sein können und welche Bedarfe es bei Ihnen gibt, möchte ich gerne gemeinsam mit Ihnen am Freitag, den 20. Juli erarbeiten.

Hierzu lade ich Sie herzlich ein. Bitte melden Sie sich bis spätestens 16.07.2018 an.

Viele Grüße
Steffen Stefany

Portrait: Steffen Stefany

Quellen:
ELLERT, Ute/WIRTZ, Jutta /ZIESE, Thomas (2006): Telefonischer Gesundheitssurvey des Robert Koch-Instituts- Deskriptiver Ergebnisbericht. Berlin: Robert Koch-Institut
WEIßBACH, Lothar (2010): Männergesundheitsbericht. http://www.maennergesundheitsbericht.de/fileadmin/user_upload/maennergesundheitsbericht/kurzfassungsbroschuere.pdf (abgerufen am 12.09.2017)

Bayerisches Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz

Heute um 13 Uhr findet im bayerischen Landtag eine Sachverständigenanhörung zum Gesetzentwurf der Staatsregierung für ein Bayerisches Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz (BayPsychKHG) statt.

Wir schließen uns der Stellungnahme des Paritätischen Bayern an, die Sie hier nachlesen können: Gemeinsame Stellungnahme des „Aktionsbündnisses zum Bayerischen Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz (BayPsychKG)“

 

Kiss Mittelfranken, den 24.04.2018

Barrierefreier Ausbau Bahnhof WUG

Der Bahnhof in Weißenburg ist nicht barrierefrei zugänglich. Rollstuhlfahrende, Menschen mit einer eingeschränkten Mobilität, Familien mit Kinderwagen oder Personen, die ein Fahrrad dabei haben. Die Liste derer, die den Bahnhof nicht oder nur erschwert nutzen können, ist lang. Deshalb gibt es eine Petition, die wir hiermit gerne unterstützen:
https://www.openpetition.de/petition/online/fuer-einen-barrierefreien-ausbau-des-bahnhofs-weissenburg-in-Bayern

Kiss Mittelfranken, den 10.04.2018

Ihre Gruppe beim Selbstival

Wir möchten Sie nochmal an eine mögliche Teilnahme an unserem Selbsthilfe-Festival am 30. Juni auf dem Jakobsplatz in Nürnberg erinnern.
Auch wenn wir bis jetzt lediglich an Aktionsideen appellierten, möchten wir nun umso mehr betonen, dass eine Teilnahme der Selbsthilfegruppe unter keinen Umständen an fehlender Zeit oder mangelnden Kapazitäten und Ideen scheitern sollte.
Sie sind herzlich eingeladen, Ihre Themen mit der Selbsthilfegruppe auch durch Informationsstände vorzustellen. Hauptsache, Sie haben Freude daran, mit uns diesen Tag zu feiern und bestenfalls mit einigen (jungen) Interessierten ins Gespräch zu kommen.
Wenn Sie sich gerne mit anderen themengleichen Gruppen aus Mittelfranken für einen Infotisch bzw. Aktion beim Festival zusammenschließen möchten, stelle ich gerne den Kontakt zwischen Ihnen her.
Das Selbstival ist ein einmaliger Anlass in dieser Größenordnung, um die Besonderheit, Leichtigkeit und den Nutzen der Selbsthilfe an ein breites Publikum zu transportieren sowie die ehrenamtlichen Leistungen und den Wert Ihrer Gruppenarbeit in großem Rahmen mit uns zum 35-jährigen Kiss-Jubiläum ordentlich zu feiern!
Wenn Sie also doch Lust bekommen ein Teil vom Selbstival zu sein, ob nun mit Aktionen oder einem informativen Stand, melden Sie sich bitte bis zum 15. April 2018 bei uns an (das Formular gibts bei uns)!

Kiss Mittelfranken, den 13.03.2018