Mein Weg in die Selbsthilfe – Teil 9

Gleich findet das nächste Treffen statt. Ich bin ein wenig aufgeregt, weil ich heute etwas ansprechen möchte. Mir ist nach dem letzten Treffen aufgefallen, dass ich Schwierigkeiten damit hatte, dass die zwei neuen Teilnehmenden so viel Raum eingenommen haben. Ich konnte eigentlich nichts von mir erzählen, obwohl ich mich schon darauf gefreut hatte, von meiner vergangenen Woche zu berichten.  

Der Groll darüber, dass ich nicht zu Wort kam, ist im Laufe der Zeit gewachsen. Im Nachhinein habe ich mich gefragt, wieso ich so emotional reagierte. Ich glaube, ich hatte das Gefühl, zu kurz zu kommen und nicht wirklich beachtet zu werden. Dieses Gefühl kenne ich schon lange – es erinnert mich an meine Kindheit. 

Für meine Eltern waren meine Bedürfnisse nebensächlich, sodass ich mich damals schon oft nicht gesehen und gehört gefühlt habe. Genau das kam beim letzten Treffen wieder hoch, obwohl es eine ganz andere Situation war. Wir sind in der Gruppe alle für uns selbst verantwortlich und von daher möchte ich in Zukunft meine Bedürfnisse besser kommunizieren. Wenn ich das letzte Treffen jetzt nochmal erleben könnte, würde ich den Neuen trotzdem den Raum geben, sich mitzuteilen weil sie neu sind, Redebedarf haben und ich es auch sehr mutig finde, dass sie sich bei fremden Menschen schon so öffnen können. Aber ich hätte am Ende noch meine Gefühle mitgeteilt. Hätte meinen Groll im Raum gelassen und nicht mit nach Hause genommen. Und vielleicht eher verstanden, dass die Situation mich an früher erinnert hat.  

Der Anlass hat mich nachdenklich gemacht. Worüber wir in unserer Selbsthilfegruppe bisher nämlich noch nicht gesprochen haben, ist das Thema Kommunikation. Es braucht nicht immer den ganz großen Konflikt innerhalb einer Gruppe, um (neue) Kommunikationsregeln aufzustellen. Manchmal reicht schon das Gefühl, nicht zu Wort zu kommen, um auch einmal über die Art der Kommunikation nachzudenken. Beim nächsten Treffen möchte ich den anderen vorschlagen, dass wir gemeinsam über dieses Thema sprechen. Auch fände ich es sinnvoll, immer wieder zu reflektieren, wie es gerade bei uns läuft und ob es Anliegen gibt. Achtsam bleiben gilt auch in der Selbsthilfegruppe!