„Die Storchencrew – Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch“  

Etwa jedes sechste Paar hat Schwierigkeiten, auf natürlichem Weg schwanger zu werden. Helfen kann dabei die Kinderwunschmedizin, mit deren Verfahren in den letzten Jahrzehnten mehr als 400.000 Kinder in Deutschland auf die Welt kamen. 

Über den unerfüllten Kinderwunsch und eine medizinische Behandlung zu reden ist schwierig und sowohl für die Frauen als auch im gesellschaftlichen Kontext ein Tabuthema. Um mit seinen Gedanken und Gefühlen nicht allein zu sein, ist der Austausch mit anderen betroffenen Frauen, die verstehen, worum es geht, wichtig.  

Möchtest du dich vernetzen? Interessierst du dich für reproduktionsmedizinsche Behandlungen oder hast bereits Erfahrungen damit? Dann bist du herzlich willkommen in unserer Gruppe. Wir wollen uns gegenseitig auf unserem Kinderwunschweg unterstützen! 

Das erste Treffen findet bei Kiss Roth-Schwabach am Do, den 05. März 2026 um 18 Uhr statt. Weitere Termine sind dann jeden 1. Do im Monat zur selben Zeit geplant. Die Teilnahme ist kostenfrei, lediglich ein Raumobolus von 2 € pro Treffen pro Person fällt an. 

Bei Interesse bitten wir um Kontaktaufnahme mit Kiss Roth-Schwabach unter roth@kiss-mfr.de oder 09171/ 989 737 0. 

Mein Weg in die Selbsthilfe – Teil 7

Dieses „Gemeinsam“, das letzte Woche in der Gruppe so sehr spürbar war, hallt noch immer in mir nach. Eine Teilnehmerin hatte beim letzten Treffen erwähnt, dass sie in schweren Momenten oft an die Gruppe denken muss und an das, was wir dort besprechen. Auch ich komme immer wieder in Situationen, die mich herausfordern. Situationen, die mich in alte Muster fallen lassen. Situationen, die mich unsicher werden lassen.  Situationen, die ich am liebsten vermeiden würde. Aber ich habe in der letzten Zeit viel über mich gelernt ­­­– sowohl in meinen Therapiestunden als auch in der Gruppe. Die Situationen, die ich früher gemieden habe und auch heute noch am liebsten meiden würde, nutze ich heute aktiv, um zu wachsen. Ich spreche an, wenn mir etwas ungerecht erscheint, oder ich anderer Meinung bin. Meistens habe ich dann wacklige Beine und fang an zu schwitzen, weil es für mich etwas Neues und Ungewohntes ist. Was mich dabei motiviert ist der Gedanke, dass ich beim nächsten Treffen stolz von dieser Situation berichten und andere aus der Gruppe ermutigen kann, das Gleiche zu tun. Jedes Mal, wenn ich für meine Meinung einstehe und sogar mal anderen widerspreche, fühle ich mich befreiter. Fühle mich größer, fühle mich beachtet und gesehen. Nicht nur mein Selbstbewusstsein wächst, sondern auch meine Selbstwirksamkeit.

Diese Veränderung kam nicht über Nacht und auch die bloße Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe führt nicht zu ganz neuen Verhaltensweisen. Bei mir gibt es mehrere Gründe: Begonnen hat alles in dem Moment, in dem ich bei Kiss angerufen habe, um mich nach einer Selbsthilfegruppe zu erkundigen. Ich wurde aktiv und habe mich getraut einer fremden Person von meinem Thema zu erzählen. Beim ersten Treffen habe ich gemerkt, dass ich mit meinem Thema gar nicht allein bin. Das gegenseitige Bestärken, Mut machen und einfach verstanden fühlen gibt mir am meisten das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein.

Ich darf zeigen, wer ich bin!

Unsere neuen Kolleginnen

 von links nach rechts: Franziska Hörber, Laura Schmidt, Melanie Beier-Schuster

Kiss Nürnberg·Fürth 

Ich bin Franziska Hörber, 32 Jahre alt und Sozialarbeiterin. 
Ich bringe Erfahrungen aus der Kinder- und Jugendarbeit, dem Freiwilligendienst sowie der Migrations- und Integrationsarbeit mit und war ehrenamtlich in verschiedenen Gremien und organisatorischen Bereichen tätig. 

Ich freue mich, den Standort Kiss in Nürnberg/Fürth zu ergänzen. 
Selbsthilfe ist für mich ein besonders wertvolles Arbeitsfeld, da es vielseitig, gesellschaftlich relevant und wirksam ist, sowohl auf persönlicher als auch auf gesellschaftlicher Ebene. 

Ich freue mich auf die vielfältigen Aufgaben, darauf, meine Kolleginnen und Kollegen besser kennenzulernen, auf die Zusammenarbeit mit den Selbsthilfeaktiven und auf die Vernetzung in Nürnberg und Fürth. 

Kiss Nürnberger Land 

Mein Name ist Laura Schmidt und ich lebe seit 15 Jahren mit meiner Familie im Nürnberger Land. 

Mein Hintergrund ist sehr vielfältig: Geboren in Rumänien, dort habe ich Lehramt studiert und später in der Schweiz Touristik absolviert. In den letzten Jahren folgten dann Weiterbildungen im pädagogischen Bereich – besonders in der Kinder- und Familienarbeit sowie in der Beratung. 

Zuletzt habe ich im Familienstützpunkt gearbeitet und dort Kiss kennengelernt. Das Thema Selbsthilfe hat mich sofort interessiert. Seit Januar leite ich nun die Kontaktstelle hier im Nürnberger Land als Nachfolgerin von Ermina Kadic, die in die Geschäftsführung gewechselt ist.  

Durch meine Erfahrung in der Familienberatung weiß ich, wie wichtig die Begleitung in schwierigen Zeiten ist. Mein Einstieg bei Kiss hat mir gezeigt, wie kraftvoll die Gemeinschaft als Ergänzung zur Beratung wirkt. Mir ist es ein Herzensanliegen, Menschen dabei zu unterstützen, in Selbsthilfegruppen zusammenzukommen, um sich gegenseitig zu stärken. Ich möchte Räume schaffen, in denen Betroffene durch Austausch ihre eigene Selbstwirksamkeitzurückgewinnen und erleben, dass sie auf ihrem Weg nicht allein sind. Dabei nutze ich auch meine internationale Erfahrung und meine Muttersprache Rumänisch als Brücke, um Barrieren abzubauen und Personen mit unterschiedlichen Hintergründen den Weg in die Gemeinschaft zu erleichtern. 

 Kiss Erlangen 

Ich heiße Melanie Beier-Schuster und komme aus der Verwaltung einer sehr großen Betriebskindertagesstätte. Seit Februar bin ich nun Teil des Kiss Teams in Erlangen. Für Kiss tätig zu sein, bedeutet für mich, Teil eines wichtigen und sinnstiftenden Arbeitsfeldes zu sein. Der Austausch und die gegenseitige Unterstützung, die in Selbsthilfegruppen geleistet werden, sehe ich als einen wertvollen Beitrag für unsere Gesellschaft – das möchte ich gerne aktiv unterstützen. Ich wurde herzlich aufgenommen und freue mich sehr auf die Zusammenarbeit.  

Geänderte Beratungszeiten Kiss Mittelfranken

Das Herzstück unserer Arbeit ist die Beratung für alle Interessierten an gemeinschaftlicher Selbsthilfe und für die Gruppen, die es mittelfrankenweit bereits gibt. Von daher haben wir uns als Kontaktstellen auf möglichst einheitliche Beratungszeiten vor allem im ländlichen Raum geeinigt. So kann auch mal ein anderer Standort das Telefon übernehmen, wenn in der Kontaktstelle vor Ort aus terminlichen Gründen keiner anwesend ist. Natürlich muss man sich nicht zwingend nur an die ausgeschriebenen Zeiten halten, wir arbeiten ja auch darüber hinaus und sind für Sie da, wenn wir im Büro sind. Unsere Zeiten können Sie hier finden.

Darüber hinaus gibt es nun eine mittelfrankenweite Telefonsprechstunde jeden Mittwoch von 16 – 18 Uhr. Also wundern Sie sich nicht, wenn Sie in der Kontaktstelle vor Ort anrufen und sich dann jemand aus einem anderen Standort meldet. Unsere Datenbank mit den vorhandenen Selbsthilfegruppen ist für alle Mitarbeiter*innen abrufbar und die weiterführende Beratung für Ihr Anliegen ist ebenfalls gesichert.

Termine

Vortrags- und Diskussionsabend „Leben mit Tinnitus“ am Di, 17.03.2026 um 19 Uhr bei Kiss Ansbach

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist erwünscht. Beim Infoabend werden folgende Themen angesprochen: Ursachen von Tinnitus, Hintergründe, Bewältigungsstrategien sowie kritische Einordnung unseriöser Heilmethoden und aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse.

28. Gesundheitsmarkt am Sa, 09.05.2026 von 13–17 Uhr am Jakobsplatz in Nürnberg

Schauen Sie vorbei und erleben Sie Selbsthilfe hautnah! Zahlreiche Gruppen und soziale Einrichtungen stellen ihre Arbeit vor und bieten Raum für persönliche Gespräche und Austausch. Ein idealer Anlass, mitten im Trubel des Trempelmarkts neue Impulse zu sammeln und miteinander in Kontakt zu kommen.

Tag der Seltenen Erkrankung

Genau 100 Teilnehmende fanden sich zum Fachtag zu seltenen Erkrankungen am 21. Februar im Veranstaltungssaal des Südpunkts in Nürnberg ein! Sie waren nicht nur aus Mittelfranken angereist, sondern aus ganz Bayern und eine Teilnehmende kam sogar aus Lübeck.

Und genau ein Jahr lang hat sich das Vorbereitungsteam, bestehend aus Selbsthilfeaktiven und Mitarbeiter*innen von Kiss Mittelfranken, regelmäßig getroffen, um diesen Fachtag stattfinden zu lassen.

Dank der hervorragenden Organisation lief alles wie am Schnürchen!

Die Grußworte per Videoschalte der Nürnberger Umwelt- und Gesundheitsreferentin Britta Walthelm fanden großen Anklang, da sie die Bedeutung der Selbsthilfegruppen für unsere Gesellschaft hervorhob und ihre Wertschätzung für das Engagement der Teilnehmenden betonte.

Herr Dr. Crahé, Facharzt für Anästhesie, spezielle Schmerztherapie und Palliativmedizin im Zentrum für Schmerzmedizin Fürth, nahm mit den ersten humorvollen Sätzen das Publikum mit in das Thema „Wie kann ich mit meiner Erkrankung besser zurechtkommen“. Er gab einen fundierten Überblick über all die Faktoren, die neben der medizinischen Behandlung eine wichtige Rolle spielen und teilte Tipps, wie jede Person die für sie geeignete unterstützende Maßnahme finden kann: „Was stärkt meine Resilienz, wie finde ich Menschen, die mich begleiten, welche Prioritäten setze ich in meinem Alltag, wie viel Raum bleibt für ein Leben neben all den Therapien…?“ Das zustimmende Nicken im Publikum zeigte, dass genau dies die Themen sind, die chronisch Kranke und ihre Angehörigen beschäftigen.

Die anschließende kleine Gesprächsrunde mit Dr. Crahé, der Physiotherapeutin Lena Seidl, dem Fachberater der EUTB Axel Wisgalla und Robert Kahlert aus einer Selbsthilfegruppe ergänzte das Gesagte durch eigene Erfahrungsberichte. Ein Beitrag aus dem Publikum brachte die Frage zur Bedeutung der Spiritualität im Leben mit chronischen Erkrankungen auf den Punkt: In der Spiritualität können wir den Weg vom „Ich“ zum „Wir“ finden. Genau der Gedanke, der viele Teilnehmende zum Fachtag oder in die Selbsthilfegruppe führte.

In den Workshops am Nachmittag konnten einzelne Aspekte des Gehörten vertieft werden: Ernährung, Atemtherapie, Schmerztherapie, Hilfsmittelversorgung, rechtliche Fragen – in allen Räumen fand ein intensiver Austausch statt. Und für alle, die gleich vor Ort mehr Leichtigkeit in den Alltag bringen wollten, gab es eine Runde Lachyoga.

Zusätzlich konnten sich die Teilnehmenden in den Pausen an Infoständen über einzelne Krankheitsbilder und deren Selbsthilfeverbände informieren und erste Kontakte zu den Gruppen knüpfen.

Das Fazit für alle am Schluss: es war ein äußerst informativer Fachtag, auf dem auch der Erfahrungsaustausch und die Vernetzung nicht zu kurz kamen. Mit den Worten „Gerne wieder“ machten sich alle auf den Heimweg.

Neue geschäftsführende Vorstände bei Kiss Mittelfranken e. V.

 

Liebe Newsletter-Abonnent*innen, liebe Selbsthilfe-Aktive in Mittelfranken, 

wir möchten uns heute als neue geschäftsführende Vorstände des Trägervereins Selbsthilfekontaktstellen Kiss Mittelfranken e. V. bei Ihnen vorstellen.  

Wir sind Friedrich Fackelmann und Ermina Kadic und haben zum 1. Januar 2026 die Geschäftsführung von Kiss Mittelfranken übernommen. In dieser Rolle treten wir die Nachfolge von Elisabeth Benzing an, die sich zum 31.12.2025 in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet hat. Wir bedanken uns ganz herzlich für die vielen Jahre, in der sie die mittelfränkischen Kontaktstellen und den Verein mit ihrem unerschöpflichen Knowhow und ihrer empathischen Art bereichert hat.  

Was uns angeht, sind wir beide seit über drei Jahren bei Kiss in verschiedenen Positionen tätig gewesen: Ermina Kadic als Kontaktstellenleitung von Kiss Nürnberger Land und Friedrich Fackelmann unter anderem als Assistent der Geschäftsführung. Diese Erfahrungen nehmen wir mit in unsere neuen Rollen und freuen uns darauf, gemeinsam die Zukunft von Kiss Mittelfranken zu gestalten. 

Wir sind davon überzeugt: Mittelfranken braucht eine starke und lebendige Selbsthilfelandschaft! Kiss wird weiterhin alles dafür tun, dass das so bleibt! 

Herzliche Grüße aus Nürnberg 

Friedrich Fackelmann & Ermina Kadic 

Termine

Herzliche Einladung zum Fachtag zum „Tag der Seltene Erkrankungen“

Seltene Erkrankungen bringen viele Herausforderungen mit sich wie lange Diagnosewege, komplexe Behandlungen und oft das Gefühl, mit vielem allein zu sein. Umso wichtiger ist die Selbsthilfe: Menschen, die ihre Erfahrungen teilen und andere unterstützen. Anmeldung hier.  

Wann: Sa, 21. 02.2026, 9 – 16 Uhr

Wo: Südpunkt, Pillenreuther Str. 147, 90459 Nürnberg 

Teilnahmebeitrag: 10 €

Unsere Seminare und Veranstaltungen finden Sie auf unserer Homepage.  

Mein Weg in die Selbsthilfe – Teil 6

Das WIR trägt

Seit unserem letzten Treffen habe ich viel darüber nachgedacht, was da gerade eigentlich entsteht. Am Anfang war da nur ich – mit meiner Unsicherheit, meiner Müdigkeit und meinem Wunsch, nicht mehr alleine zu sein. Jetzt sitze ich in einem Raum voller Menschen, die ich erst seit kurzer Zeit kenne, die mir aber auf unerklärliche Weise bereits vertraut vorkommen. 

Beim vierten Treffen wurde mir das besonders bewusst. Wir haben uns hingesetzt, Tee dampfte in den Tassen, und die Stimmung war vom ersten Moment an ruhig, fast warm. Niemand musste sich verstellen. Niemand musste stark tun. Es war, als würde ein gemeinsamer Mantel um uns liegen – ein Mantel aus Verständnis. 

Ich habe etwas erzählt, das ich sonst niemandem sagen konnte. Als ich fertig war, wartete ich – auf Stirnrunzeln, auf Unsicherheit, auf irgendeine Form von Distanz. Aber stattdessen nickten ein paar Menschen einfach. Eine Person meinte: „Ich kenne das. Ganz genauso.“ Und es war nicht nur ein dahingesagter Satz. Es war ein echtes Wiedererkennen. 

In diesem Moment ist etwas in mir aufgegangen – ein Gefühl von Aufgehoben-Sein, das ich lange nicht kannte. Das Gefühl, dass ich nicht nur erzähle, sondern gehört werde. Und dass da plötzlich ein WIR ist, das trägt, das hält, ohne einzuengen. 

Später erzählte jemand, dass sie in der vergangenen Woche einen schweren Moment gehabt habe und fast wieder in alte Muster gefallen wäre. „Dann habe ich an euch gedacht“, sagte sie. „Und daran, was wir letzte Woche besprochen haben.“ 
Es wurde still im Raum. Aber es war eine gute Stille. Eine, die sagt: Wir sind da. Auch außerhalb dieses Zimmers. 

Immer öfter erlebe ich solche Augenblicke. Kleine Gesten, die zeigen, dass aus einer Idee langsam eine Gemeinschaft wird: Jemand bringt Traubenzucker für alle mit. Jemand fragt nach, wie der Termin beim Arzt gelaufen ist. Jemand anderes bietet an, für eine Person mitzudenken, die heute nicht da sein kann. 

Wir haben noch vieles nicht geklärt und es gibt bestimmt auch mal schwierigere Treffen – aber das macht mir keine Angst mehr. Denn ich habe verstanden, dass ich nicht mehr allein vor irgendeinem Berg stehe. Wir stehen davor. Zusammen. Und gemeinsam wirkt er weniger steil. 

Als wir heute auseinandergegangen sind, habe ich gespürt, dass ich mich inzwischen auf jedes Treffen freue, nicht nur ein bisschen, sondern richtig. Und der Gedanke, der mir auf dem Heimweg kam, war ungewohnt – aber schön: 

Ich bin Teil von etwas. Und dieses Etwas trägt mich. 

Ich glaube, genau darum geht es in der Selbsthilfe. Nicht darum, perfekt zu sein oder immer genau zu wissen, was man sagen soll. Sondern darum, Räume zu schaffen, in denen Menschen einander halten – manchmal durch Worte, manchmal einfach durch ihr Dasein. 

Und ich merke: Ich bin angekommen. Wir sind angekommen. 
Gemeinsam. 

Gedanken zum Abschied zweier Kolleginnen

Elisabeth Benzing (Geschäftsführung Kiss Mittelfranken) verabschiedet sich in den Ruhestand und Darja Schneider (Kontaktstellenleitung Kiss Nürnberg/Fürth) wechselt die Stelle. 

 Was war das Besondere in der Zusammenarbeit mit den Selbsthilfegruppen? 

Elisabeth 

Ich habe immer sehr, sehr viel Wertschätzung von den Teilnehmenden aus den Selbsthilfegruppen erfahren – egal, ob es ein Seminar war, eine große Veranstaltung, ein Gruppentreffen, ein Online-Austausch, ob in Nürnberg, in Ulm, in Hof oder in Heilbronn, immer gab es positive Rückmeldungen. Und immer waren die Menschen offen für neue Impulse, waren neugierig auf das, was Teilnehmende aus anderen Gruppen erzählten, und brachten sich gegenseitig viel Respekt entgegen.  
 

Darja 

Das Herausragendste war für mich all die starken, herzlichen Persönlichkeiten, die sich nicht durch ihre Erkrankungen oder Lebensschicksale unterkriegen lassen. Durch den Kontakt mit den Selbsthilfegruppen habe ich lernen dürfen, welche Kraft in der Selbstermächtigung liegt – Berge können eben manchmal doch versetzt werden, im Großen wie im Kleinen. Und es lohnt sich immer, für sich selbst und die eigenen Themen einzustehen. Ich bin sehr dankbar für alles, was ich in den Jahren als Selbsthilfeunterstützerin nicht nur beruflich, sondern auch persönlich für mich mitnehmen konnte. 

 Wie bleibt dir das Team Kiss Mittelfranken in Erinnerung?

 Elisabeth 

Das große Plus in der Arbeit bei Kiss ist das Bewusstsein aller Kolleg*innen, dass die Vorhaben in der Unterstützungsarbeit für die Selbsthilfegruppen in Mittelfranken nur im MITEINANDER gut gelingen. Das wird überall im täglichen Tun spürbar. Selbstverständlich springt jede*r ein, wenn personeller Notstand „ausgerufen“ wird, selbstverständlich werden Abend- oder Wochenendtermine übernommen. Und all die Krisen der letzten Jahre hat Kiss nur dadurch so gut bewältigt, weil gemeinsam nach Lösungen gesucht wurde und jede*r bereit war, auch bei sich selbst zurückzustecken. 
 

Darja 

Unser Team verkörpert für mich in besonderer Weise die Vielfalt und Lebendigkeit der Selbsthilfelandschaft. In der gemeinsamen Arbeit haben wir die zentralen Werte der Selbsthilfe stets authentisch gelebt: Empowerment, Zusammenhalt, gegenseitige Unterstützung, Akzeptanz und Offenheit. Besonders beeindruckt hat mich die große Bandbreite an Kompetenzen und Persönlichkeiten im Team, die sich im Miteinander bereichern und stärken. Diese Vielfalt ist aus meiner Sicht die größte Stärke von Kiss Mittelfranken und prägt die Qualität der Unterstützung, die Menschen hier erfahren. Ebenso wertvoll war die Art, wie wir Herausforderungen gemeinsam angegangen werden – mit Professionalität, gegenseitigem Vertrauen und nicht zuletzt mit einer guten Portion Humor, der auch in schwierigen Momenten Leichtigkeit ermöglicht hat. Für diese Zusammenarbeit und die vielen bereichernden Erfahrungen bin ich sehr dankbar. 

 Was wünscht du der Selbsthilfe für die Zukunft? 

Elisabeth 

Ich wünsche mir, dass all diejenigen, die Kiss Mittelfranken und die Selbsthilfegruppen finanziell unterstützen, sich immer der gesellschaftlichen Tragweite der Selbsthilfegruppen bewusst bleiben. Die Attraktivität einer Kommune steigt, wenn sie eine gesundheitsfördernde Lebensgrundlage aufweisen kann. Zweifelsohne ist die Selbsthilfe ein wichtiger Bestandteil davon. 
Ich wünsche mir, dass die gemeinschaftliche Selbsthilfe zunehmend als eine wichtige Säule für eine funktionsfähige demokratische Gesellschaft wahrgenommen wird. Hier finden Menschen einen Weg aus der Einsamkeit, hier findet ein wertschätzender Austausch statt, hiervon geht ein Signal aus in die Gesellschaft: Gemeinsam können wir es schaffen! 

 Darja 
Auch ich kann mich Elisabeths Worten vollkommen anschließen. Ein besonderes Herzensprojekt für mich war der weitere Ausbau der muttersprachlichen Selbsthilfe. Ich wünsche der Selbsthilfelandschaft, dass sie weiterwächst, Menschen verschiedenster Herkunft einen Ort des Austausches unter Gleichgesinnten bietet und sich noch viele weitere muttersprachliche Gruppen gründen. 

Möge die Selbsthilfe auch in Zukunft ihre grundlegenden Werte bewahren – gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Spannungen spürbarer werden. Sie ist und bleibt ein wichtiger Schutz- und Begegnungsraum in einer zunehmend individualisierten Welt. 

 Magst du zum Abschluss noch eine Anekdote aus deiner Zeit bei Kiss erzählen? 

Elisabeth 

Ich erinnere mich gerne an die Feier zum 30jährigen Jubiläum, bei der wir als Team die Zukunft der digital programmierten telefonischen Beratung als Sketch darstellten. Noch antworten bei Kiss „echte“ Berater*innen und KI hat die Beratungsgespräche bei uns nicht erobert, aber vor rund 12 Jahren haben uns die digitalen Ansagen der allgegenwärtigen Callcenter inspiriert, uns eine neue Form der Beratung in der Selbsthilfeunterstützung auszudenken und wir hatten viel Spaß dabei.  

 Darja 

Meine Anekdote zieht sich über stolze acht Jahre: Unser Selbsthilfemobil in Form einer Piaggio Ape. 
Mein erster Projektantrag bei Kiss 2017 wurde direkt bewilligt – und plötzlich war ich „Mama“ einer flotten kleinen „Biene“ (Ape = Biene auf Italienisch). Und wie das mit Kindern so ist: Sie hat mein Leben bereichert… und mir dabei auch das eine oder andere graue Haar beschert. 

Die Begegnungen mit ihr bei öffentlichkeitswirksamen Aktionen oder im Straßenverkehr waren pures Entertainment: von strahlendem Lächeln, Daumen hoch, genervtem Anhupen über irritierte Blicke bis hin zu „Was ist das denn?!“ war wirklich alles dabei. Selbst Bürgermeister*innen, ein Landrat, Selbsthilfeaktive und Geschäftsführer*innen haben, ohne zu zögern auf der Ape Platz genommen – und dabei gegrinst wie Honigkuchenpferde. 

Unsere „Biene“ hat mich viele Nerven gekostet, aber mindestens genauso viele unvergessliche Glücksmomente geschenkt. Und wie alle Kinder irgendwann flügge werden, durfte auch mein „Kiss-Baby“ weiterziehen – in die liebevollen Hände von Kiss Regensburg. Ich könnte mir kein besseres Zuhause für sie wünschen.